Aus dem Ältestenkreis 4/2015

Das Kirchenjahr ist zu Ende gegangen, erneut Anlass für ein kurzes Innehalten, für Rück- und Ausblick.
Wenngleich wir auch in diesem Jahr von liebgewonnenen Gemeindemitgliedern für immer Abschied nehmen mussten, so überwiegt dennoch die dankbare Erinnerung an viele schöne Stunden der gemeinsamen Erlebnisse und des Austausches im christlichen Miteinander.

Der Blick auf den im Großen und Ganzen glücklichen „Mikrokosmos“ unserer Gemeinde wäre aber in diesem Jahr zu kurz gegriffen. Die Welt um uns herum scheint aus den Fugen zu geraten. Wir leben in einer Periode des Umbruchs und der politischen Instabilität, deren Auswirkungen in Form von Kriegen, Terror und dem damit verbundenen Elend uns täglich auf den Bildschirmen vor Augen geführt werden. Noch sind uns die schrecklichen Ereignisse vom 13.11. in Paris in lebendiger Erinnerung.

Wir sollten von tiefer Dankbarkeit erfüllt sein, dass die meisten von uns in Deutschland in diesem Jahr in Frieden und Freiheit leben durften. Gleichwohl spüren wir die Folgen der krisenhaften Entwicklung um uns herum. Da sind vor allem die in Not geratenen und um ihr Leben fürchtenden Flüchtlinge aus den Kriegs- und Krisengebieten, die bei uns Schutz suchen. Die damit verbundenen Ängste in der Bevölkerung nutzen rechtsgerichtete Gruppen, um ihre fremdenfeindlichen und radikalnationalistischen Ideologien zu verbreiten.

Umso wichtiger und erfolgreicher war eine vom Bekenntnis zu humanitären, christlichen Werten geprägte Gegendemonstration von 900 Menschen am 26.9. in Bruchsal, die die Wahrung der Menschenwürde in den Vordergrund stellte. Die Gesamtleitung hatte Eberhard Schneider(IG Metall) und Pfr. Schowalter als Vorsitzender der ACG, die einer der Veranstalter war. „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“. (Matthäus 25, 40). Unter dieser Transparentaufschrift nahmen auch zahlreiche Gemeindemitglieder an der Demonstration teil.

 

Gemeindeversammlung

Am 08.11. fand unter der bewährten Leitung von Friedrich Weiß, unterstützt von Jürgen Weixler, die diesjährige Gemeindeversammlung statt. Der Vorsitzende des Ältestenkreises Marc Kamlah trug die Schwerpunkte der Arbeit des ÄK vor, Hermann Biedermann berichtete zu den erneut beeindruckenden Fortschritten des Bauteams.


Etwas enttäuschend war allerdings die Tatsache, dass nur recht wenige Gemeindemitglieder an dieser Veranstaltung teilnahmen. Daher sollen an dieser Stelle nochmals Zweck und Ziele der Gemeindeversammlung, wie sie in der Grundordnung der Evangelischen Kirche in Baden festgelegt sind, wiedergegeben werden:
„In jeder Pfarrgemeinde ist mindestens einmal im Jahr eine Gemeindeversammlung  durchzuführen, um den Jahresbericht des Ältestenkreises über die Leitung der Gemeinde entgegenzunehmen und zu besprechen“. Dies bedeutet, dass „sich alle Mitglieder der Pfarrgemeinde aus ihrer Mitverantwortung für das Leben und den Auftrag der Gemeinde, über Vorgänge, Vorhaben und Entscheidungen informieren und die Gegenstände erörtern“. Die Gemeindeversammlung berät den Ältestenkreis u.a. „in grundsätzlichen Fragen des Gemeindeaufbaus und bei wesentlichen Veränderungen in der Gestaltung der Gemeindearbeit, sowie bei größeren Bauvorhaben“.
Trotz dieser vorrangig auf Beratung konzentrierten Form der Mitwirkung und Meinungsäußerung wäre der Ältestenkreis schlecht beraten, Vorschläge und Anregungen der Gemeindeversammlung nicht aufzugreifen und im Rahmen der Möglichkeiten umzusetzen.
Beispiele für entsprechend wertvolle Beiträge in der diesjährigen Versammlung waren die Diskussion über den sinnvollen Einsatz des Beamers im Gottesdienst (z.B. für Liedtexte, die nicht im Gesangbuch stehen), sowie die Umsetzung von Brandschutzvorschriften in der Kirche.
Wir hoffen sehr, dass diese Gelegenheit der Mitwirkung und Meinungsäußerung in Zukunft aktiver wahrgenommen wird und – der Ältestenkreis kann auch berechtigte Kritik vertragen und damit konstruktiv umgehen!

 

Treffen ÄK Paul-Gerhardt, ÄK Luther, PGR St. Vinzenz

Am 13.10 waren in unseren Gemeindesaal die Vertreter der katholischen und evangelischen Gemeinden der Bruchsaler Kernstadt eingeladen. Erstmals seit der erfolgten  Umstrukturierung der 6 katholischen Kirchen und Gemeinden fand das Treffen mit der neugeschaffenen Seelsorgeeinheit St. Vinzenz statt.
Nach gegenseitiger Vorstellung der Teilnehmer und der jeweiligen Grundstruktur wurden aktuelle Themen in 4 Gesprächsrunden diskutiert und anschließend dem Plenum vorgestellt.
Themen der Gruppengespräche waren
• die ökumenische Vereinbarung,
• ökumenisches Liedgut,
• junge Familien, Kinder und Jugend, sowie diesbzgl. Kooperation,
• Flüchtlinge und Asyl.
Die wesentlichen Ergebnisse werden wie folgt zusammengefasst:
Durch die Neuorganisation der katholischen Gemeinde sind neue Grundlagen geschaffen, die den Partnerorganisationen der bisherigen ökumenischen Vereinbarung nicht mehr entsprechen. Nach längerer interner Diskussion hat der ÄK Paul-Gerhardt vorgeschlagen, eine neue Vereinbarung in der Kernstadt anzustreben (St. Vinzenz, Luther und Paul-Gerhardt), die aber nicht in Konkurrenz zur ACG stehen soll. Es war festzustellen, dass für das Erreichen eines solchen Zieles noch eingehende, auch interne Diskussionen und Abstimmungen erforderlich sind. Es scheint aber der gemeinsame Wille zu bestehen, die bisherigen ökumenischen Projekte in jedem Falle weiterzuverfolgen.


Konkret wurden in der zweiten Arbeitsgruppe gemeinsame Veranstaltungen wie ökumenische Kinderkrippenfeier und Hausgebet im Advent besprochen. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass der bisherige ökumenische Jugendkreuzweg die Jugendlichen offensichtlich in der jetzigen Form nicht mehr anspricht und eine neue Form gefunden werden muss.

Auch die Identifizierung von gemeinsamem Liedgut aus Gotteslob und Evangelischem Gesangbuch mit der Erarbeitung einer entsprechenden Liste ist eine wichtige Aufgabe, die von einer der Arbeitsgruppen begonnen wurde.

Schließlich wurde das uns alle so intensiv berührende Thema „Flüchtlinge und Asyl“ mit der Frage „Was können die Gemeinden tun?“ besprochen. Unter den zahlreichen  ehrenamtlichen Helfern für die beiden Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber befinden sich bereits jetzt viele Gemeindemitglieder. Deren Einsatz wird bereits koordiniert. Die Gemeinden können in erster Linie Räumlichkeiten (z.B. für Besprechungen/ Sprachunterrichte) bereitstellen (hierzu hat der ÄK bereits erste Entscheidungen für PG getroffen, s.u.) und ihre jeweiligen Netzwerke für die Vermittlung von Wohnraum für die Anschlussunterbringung nutzen. Der Bedarf an Sachspenden wird regelmäßig bekanntgegeben, mittelfristig kann auch die Einbindung von Jugendlichen in die Aktivitäten unserer Jugendgruppen überlegt werden.

 

Entscheidungen des Ältestenkreises

Nutzung von Kirche und Gemeinderäumen

-Vermietung der Kirche für Hochzeiten:
Die Kirche kann für Nutzer außerhalb Bruchsals für Hochzeiten angemietet werden, allerdings gegen einen Unkostenbeitrag, der sich wie folgt zusammensetzt:
Basisleistung EUR 250,-
+Organist
Kirchendienst 2Std EUR 40,-
Reinigung 2Std EUR 40,-
Sekretariat EUR 30,-
Anfragen von Bruchsalern oder der Südstadt Verbundenen können auch individuell geregelt
werden.

-Theatergruppe AG der Konrad-Adenauer-Schule:
Die Nutzungsvereinbarung wird um 1 Jahr verlängert.

-Veeh-Harfen Gruppe
Proben Donnerstag-Vormittag 08.30-10.00 Uhr

-Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe:
Gemeinderäumlichkeiten für Besprechungen, Deutschunterrichte etc. werden der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe im Rahmen freier Kapazitäten zur Verfügung gestellt.

 

Weitere Entscheidungen

Verwendung der Einnahmen vom Brückenfest 2015:
Insgesamt 2919,39 EUR werden verwendet:
- 90% für Bauzwecke des Kirchengebäudes
-10% für sozialen Zweck (Südafrika-Kinderprojekt von Sonja Oellermann)

Gebetsabende:
Auf Initiative aus dem Kreis der Jugendlichen sollen regelmäßige Gebetsabende veranstaltet werden, zu denen die gesamte Gemeinde eingeladen wird.

 

Ausblick auf besondere Veranstaltungen 2016

Lutherjubiläum 2017
Am 31.10.2017 jährt sich zum 500. Mal der Jahrestag von Martin Luthers 95 Thesen, die er durch Anschlag am Hauptportal der Schlosskirche zu Wittenberg veröffentlichte und damit  die Reformation einleitete. Vom 28.-31.10.2016 wird ein Bezirkskirchentag in der Innenstadt von Bruchsal stattfinden. Projektbeauftragter ist Schuldekan Vehmann. Die Veranstaltung ist als Auftakt für das Jubiläumsjahr 2017 gedacht. Geplant sind Konzerte, Ausstellungen,  Vorträge und selbstverständlich auch Gottesdienste. Zur Zeit werden Vorschläge gesammelt.


Vortrag zur Friedensethik am 08.03.2015

Angesicht der eingangs angesprochenen Entwicklungen im Weltgeschehen wird die Sehnsucht nach einer Welt des Friedens und der gewaltfreien Lösung von Konflikten immer drängender. Sicherlich sind vorrangig diplomatische bzw. politische Lösungen gefordert.  Auch die Beseitigung von Ungerechtigkeiten im wirtschaftlichen Nord-Süd-Gefälle gehört zu den zwingenden globalen Erfordernissen und Herausforderungen unseres Jahrhunderts. Aber was ist, wenn die Beendigung von massiven  Menschenrechtsverletzungen bis hin zum Völkermord nur mit Gegengewalt möglich ist?
Die Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden hat am 24.10.2013 ein Diskussionspapier herausgegeben, das unter der Überschrift nach Lk 1,79 „Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“ diesen Fragen nachgeht und die Spannbreite zwischen „Gewaltfreiheit als einziger Option“ und der Legitimierung von militärischer Gewalt unter bestimmten Bedingungen als „ultima ratio“ erörtert.

Der Ältestenkreis vertritt die Auffassung, dass wir uns diesen Kernfragen christlicher Friedensethik stellen müssen. Wir haben daher einen Referenten des Oberkirchenrates der badischen Landeskirche für den 8. März 2016 eingeladen, um die Grundzüge des Papiers darzulegen und mit uns zu diskutieren.

Die Gemeinde wird bereits jetzt gebeten, sich diesen Termin vorzumerken – ein Thema, das uns alle angeht.

 

Jürgen Dick