Aus dem Ältestenkreis 2/2017

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 1. Visitation 2018 – unter dem Zeichen künftiger Herausforderungen

1.1 Grundlagen

Im nächsten Jahr steht die Visitation derKirchengemeinde Bruchsal und ihrer einzelnen Pfarrgemeinden an, ein Projekt, das uns spätestens nach Abschluss der Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum vorrangig beschäftigen und umfangreiche Vorbereitungen erfordern wird. Daher ist es sinnvoll, uns die wesentlichen Grundlagen und Ziele einer Visitation in Erinnerung zu rufen:

Sie „sucht die Stärkung und Weiterentwicklung kirchlichen Lebens… hat die Aufgabe, die Besuchten durch Anerkennung der bisherigen Arbeit zu ermutigen, mit ihnen Ziele der künftigen Arbeit zu vereinbaren, sowie deren Erreichung zu überprüfen…“. (Auszug aus Handbuch für Kirchenälteste der Evangelischen Kirche in Baden, S.37/38, ausführlich in: http:/www.ekiba.de/visitation).

 

1.2 Hintergründe

Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass die Visitation 2018 nicht nur eine Routineangelegenheit ist, sondern im Zeichen künftiger struktureller Veränderungen in den Kirchengemeinden steht, die auf die Entwicklung der Personalsituation der

evangelischen Pfarrer/-innen zurückzuführen sind. Die hohe Zahl von planmäßigen Pensionierungen kann in den nächsten Jahren nicht durch eine entsprechende Zahl von Ordinationen junger Theologen kompensiert werden; mit einem Rückgang von 15-25% ist zu rechnen. Konsequenz ist, dass nicht mehr alle derzeitigen Stellen besetzt werden können, was zwangsläufig organisatorische Straffungen und Zusammenlegungen auf Ebene der Kirchen- und Pfarrgemeinden zur Folge hat. Um flexibel reagieren zu können und nicht einem „Diktat von oben“ ausgesetzt zu sein, geht es jetzt darum, sich rechtzeitig Gedanken zu machen, wie man selbst den Umbruch aktiv gestalten und eigene konstruktive Vorschläge unterbreiten kann. Hierzu wird am 20.7. eine vorbereitende Besprechung des Ältestenkreises mit Dekanin Mannich stattfinden.

Auf dieser Grundlage soll dann im Herbst im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung der ÄK auf Ebene der Kirchengemeinde eine Bestandsaufnahme und eine gegenseitige Information der Pfarrgemeinden durchgeführt werden. Dabei muss identifiziert

werden, welche Strukturen bzw. Aktivitäten in Zukunft ggf. gemeinsam zu nutzen und welche zwingend weiter auf Ebene der Pfarrgemeinde vorzuhalten sind.

Wir werden uns bemühen, die Gemeinde über die weitere Entwicklung dieser zentralen Thematik auf dem Laufenden zu halten.

 

2. Rüstzeit des Ältestenkreises

Am 10./11. März traf sich der ÄK zu einer Rüstzeit im Haus der Kirche in Bad Herrenalb, eine Gelegenheit, sich unabhängig von der routinemäßigen Arbeit über grundsätzliche Themen und Zukunftsperspektiven auszutauschen. Selbstverständlich stand die oben

angesprochene Thematik im Mittelpunkt. Die wichtigsten Ergebnisse können auf der Grundlage des von Cordula Völker angefertigten Protokolls wie folgt zusammengefasst werden:

 

2.1 Datenbasierte Bestandsaufnahme

Eine wichtige Vorbereitungsmaßnahme für die anstehende Visitation ist eine datenbasierte Bestandsaufnahme. Einzelheiten zeigen die beigefügte statistische Analyse der Gemeindezahlen und die von Matthias Schenk zusammengestellten Grafiken.

Der negative Saldo in der Entwicklung der Gemeindemitgliederzahlen ist vornehmlich auf die negative Differenz von Zu- und Wegzügen evangelischer Bürger im Gemeindegebiet zurückzuführen. Das betrifft besonders deutlich junge Familien mit Taufkindern. Ca. 50% der Austritte stammen von Neuzugezogenen, die den Ortswechsel zum Anlass nehmen auszutreten, langjährige Mitglieder treten eher selten aus. Ältere Menschen, die ins Altersheim umziehen, werden automatisch zur Luthergemeinde umgemeldet, nur teilweise erfolgen Rückmeldungen.

Die Beteiligung an den Gemeindeaktivitäten ist durchaus positiv zu bewerten. Der Gottesdienstbesuch liegt bei 40-90 Personen pro Sonntag. Die Zahl aktiver Mitarbeiter ist innerhalb der letzten 13 Jahre von ca. 70 auf ca. 120 Personen gestiegen, insgesamt wird die Zahl der Gemeindemitglieder, die sich in irgendeiner Form am Gemeindeleben beteiligen, auf ca. 300-400 geschätzt.

Wie aus der Statistik ersichtlich ist, sank die Zahl der Paul-Gerhard-Gemeindemitglieder von 1750 im Jahre 2013 auf 1581 im Jahre 2016. Mit weniger als 1500 Mitgliedern wird ein kritischer Schwellenwert erreicht, bei der die derzeitige 75%-Pfarrstelle in Paul-Gerhardt gefährdet ist. Die Pfarrstelle wird leider nicht nach der Aktivität der Gemeinde, sondern ausschließlich nach registrierten Paul-Gerhardt-Mitgliedern berechnet.

Sinkende Mitgliederzahlen haben auch zwangsläufig eine sinkende Zuweisung von Finanzen zur Folge. Darunter kann mittelfristig die Gebäudeerhaltung leiden, bis hin zur Notwendigkeit gemeindeeigene Immobilien zu veräußern. Derzeit sieht der ÄK hierin allerdings noch keine Bedrohung, da unser Gebäudebestand dank der Tätigkeit des Bauteams und des Spendeaufkommens zur Finanzierung der Bautätigkeiten auf modernem Stand ist.

 

2.2 Analyse des Gemeindelebens/ Möglicher Ausblick

Neben der mathematischen Statistik sind weitere Faktoren der Bestandsaufnahme im Hinblick auf die Visitation mindestens genauso wichtig. Hierzu gehören Fragen wie: Was ist uns wichtig? – Was sind unsere Stärken? / Was schätzen Menschen besonders an dieser Gemeinde und leben deshalb in dieser Gemeinde mit? Was erwartet man von uns? – Was sind unsere längerfristigen Ziele?

Von den vielfältigen diskutierten Aspekten seien hier nur die wichtigsten angesprochen, die wir in die Gespräche einbringen wollen. Die Gemeinde ist ein Ort der Begegnung.

Zusammenhalt, gegenseitige Anteilnahme und das gemeinsame Gespräch sind uns besonders wichtig. Die Gemeinde lebt von diesen sozialen Beziehungen, vor allem bietet sie christliche Antworten auf drängende Lebensfragen. Ein fest zugewiesener Pfarrer prägt dieses Gemeindeleben ganz besonders und gibt wichtige geistliche Impulse.

Zu den Stärken unserer PG-Gemeinde, die es auch zu erhalten gilt, gehören vor allem die in Tiefe und Breite intensive Jugendarbeit, die verschiedenen musikalischen Aktivitäten, aber auch die Angebote für Senioren.

Nach wie vor stellt die Gewinnung von aktiven Gemeindemitgliedern im Altersspektrum von 30- 50 Jahren eine besondere Herausforderung dar. Hier sind weitere Anstrengungen erforderlich.

Wir werden selbstverständlich bemüht sein, viele dieser Fähigkeiten und Aktivitäten vor Ort zu erhalten. Dennoch wird es langfristig nicht zu umgehen sein, auf das ein oder andere liebgewonnene Angebot zu verzichten und eine gewisse Zentralisierung bzw. Aufgaben- und Angebotsaufteilung in Kauf zu nehmen.

Wir stehen erst am Anfang eines Prozesses, der uns noch viel Kraft und Engagement abverlangen wird. Diese erste Information soll Ausgangspunkt einer intensiven Diskussion innerhalb der Gemeinde sein. Wir hoffen auf konstruktive Beiträge.

„Die Zukunft hat viele Namen: Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für Furchtsame das Unbekannte, für die Mutigen die Chance“. (Victor Hugo 1802- 1885, französischer Schriftsteller).

Und egal in welcher Organisation und unter welchen Bedingungen wir unser christliches Miteinander in Zukunft gestalten, sollten uns Jesu Worte „denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Math. 18,20) ermutigen das Beste daraus zu machen.

 

3. Gottesdienste in den Sommerferien

Nach diesen grundsätzlichen Überlegungen des Ältestenkreises zum Abschluss noch eine Information zur Gestaltung der Gottesdienste in den Sommerferien. Im Zeitraum der Schulferien erfolgt eine gegenseitige Vertretung in den beiden Kirchen der Bruchsaler Kernstadt.

Und zwar: in den ersten 3 Wochen im August Frau Knoch (10 Uhr Lutherkirche, 11 Uhr Paul-Gerhardt-Kirche),

in den zweiten 3 Wochen der Ferien Pfr. Schowalter (10 Uhr Lutherkirche, 11 Uhr Paul-Gerhardt-Kirche).

 

Jürgen Dick