Aus dem Ältestenkreis 4/2017

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1. Bilanz des Reformationsjubiläums


Das zu Ende gegangene Kirchenjahr stand ganz im Zeichen des 500- jährigen Reformationsjubiläums. Dabei ging es nicht nur vorrangig um das historische Ereignis der Reformation, das gebührend gefeiert und gewürdigt werden sollte. Nach einer Verlautbarung der EKD war der mit den verschiedenen Veranstaltungen verbundene Aufwand eine  bewusste Investition in die Sichtbarmachung der Kirche, des christlichen Glaubens und der Bedeutung der Reformation für unsere heutige moderne Gesellschaft sowie die Herausforderungen der Gegenwart.
Unter diesem Gesichtspunkt war es dem Ältestenkreis wichtig, auch das Ergebnis unseres eigenen Programms mit seinen zahlreichen Aktivitäten zu bilanzieren, aber daraus auch Erkenntnisse für die künftige Gemeindearbeit herzuleiten.

Die Konzentration von Vorbereitung und Durchführung der meisten Veranstaltungen auf der Ebene der Bruchsaler Kirchengemeinde war sicherlich eine sachgerechte Entscheidung, da so die vielen Ideen und Initiativen gebündelt werden konnten.

Die Feiern, das Gedenken an das Reformationsereignis und seine Einordnung in unsere heutige Zeit fanden auf den verschiedensten Ebenen statt. Dies waren neben der „klassischen“ Vermittlung der theologischen Inhalte in Form einer Predigtreihe, Ausstellungen (z.B. Bilder zu Liedern der Reformationszeit, Briefmarkenausstellung „Reformation“) Vorträge (z.B. von Dr. Gerald Dörner über den Pfarrer im 16. Jahrhundert), Workshops, aber auch Theateraufführungen, öffentliche Aktionen und musikalische Veranstaltungen.

Es ist positiv anzumerken, dass die „Luthermania“, d.h. der Kult der z.T. anderenorts mit der Person Martin Luthers in Form verschiedenster Produkte betrieben wurde, bei uns weitgehend vermieden werden konnte.
Allerdings entspricht es modernen Trends in der Vermittlung historischer oder theologischer Inhalte, dass z.B. ein Theaterstück über Katharina von Bora mehr Publikum anzieht als ein Workshop über Luthers Schrift zur „Freiheit eines Christenmenschen“.
Dabei hatte die Evangelische Landeskirche in Baden das Jubiläumsjahr unter das Motto „…da ist Freiheit“ gestellt, allerdings ein Thema, das heute längst nicht mehr als so drängend empfunden wird wie vor 500 Jahren.
Gerade die Aktivitäten, die inmitten der Öffentlichkeit in engem Kontakt mit den Bruchsaler Bürgern stattgefunden haben, erzielten Aufmerksamkeit und machten das Bekenntnis zum christlichen Glauben für viele sichtbar und bewusst. Das galt z.B. für ein öffentliches Singen auf dem Wochenmarkt am 8. April unter der Leitung von Christiane Ruppaner und Rebecca Liebrich. Dabei wurde „Ein feste Burg ist unser Gott“ intoniert und so mancher Marktbesucher
zum Mitsingen angeregt. Es war zu spüren, dass die Aktion von den Mitbürgern positiv aufgenommen wurde.

Dasselbe gilt für die an einem Samstag im September ebenfalls auf dem Marktplatz von Cordula Völker und Adelheid Liedke organisierte Aktion „Luther mittendrin“. Mit Postkarten, Äpfeln und einem Stand der evangelischen Kirchen
Bruchsals wurde auf das Reformationsjubiläum aufmerksam gemacht und bei dieser Gelegenheit zahlreiche konstruktive Gespräche mit Passanten geführt.

Für den Paul-Gerhardt-Chor war die Teilnahme am Pop-Oratorium „Luther“, wo man am 11. Februar in der Mannheimer SAP-Arena zu einem Projektchor mit 2300 Stimmen gehörte, das Highlight des Jubiläumsjahres. Die Veranstaltung war Teil einer Aufführungsserie an 10 verschiedenen Orten und hatte sicherlich eine der größten Außenwirkungen.
Die SAP-Arena war mit ca. 10 000 Zuschauern ausverkauft. Das im Musical-Stil komponierte und getextete Stück verkündete in Form stimmungsvoller und mitreißender Melodien nicht nur die historischen Ereignisse des Reichstages zu Worms, sondern enthält auch die wichtigsten Botschaften Luthers. Als willkommenes Nebenprodukt der Teilnahme konnte der PG-Chor seitdem bei mehreren Gelegenheiten einzelne Lieder des Oratoriums auch in Bruchsal zur Aufführung bringen.

Auch der Abschlussgottesdienst am 31.10., an dem unsere Gemeinde mit Band, Paul-Gerhardt- Chor und der Predigt von Pfarrer Schowalter über das Thema „Gnade - geschenkt“ mit wesentlichen Beiträgen beteiligt war, fand nicht nur in einer gut gefüllten Lutherkirche statt, sondern fand auch bei den Gottesdienstbesuchern eine überaus positive
Resonanz.

 

Bleibt die abschließende Frage, was vom Reformationsjubiläum bleibt. Können die Impulse, die es ohne Zweifel gab, für die weitere Gestaltung einer lebendigen Kirche genutzt werden? Eine resignative Antwort wäre die Feststellung,
dass für viele Menschen, darunter auch zahlreiche evangelische Mitbürger, der 31.10.2017 vor allem Gelegenheit gab, Halloween an einem freien Tag ausgiebig zu feiern. Dies wäre aber eine Kapitulation vor einem leider oft auf oberflächliche Bespaßung ausgerichteten Zeitgeist. Gleichzeitig gibt es nämlich viele Menschen, die nach Halt und Lebenssinn suchen.

Margot Käßmann, die Botschafterin des Reformationsjubiläums, hat daher in einem Interview eine positivere und optimistische Bilanz gezogen. Für sie war die Resonanz der Veranstaltungen ein „Mutmacher, die Herausforderung offensiv anzunehmen und öffentlich über Glauben und Kirche zu sprechen“. Gerade kleinere öffentliche Angebote von Spiritualität könnten Menschen anziehen. Diese Feststellung deckt sich mit unserer oben beschriebenen Erfahrung. Insofern war das Jubiläumsjahr auch ein Experimentierfeld, zeitgemäße Methoden weiterzuentwickeln, wie man
den Zugang zu den Menschen am besten finden kann. Wir sind aufgefordert, diesen Weg weiterzugehen.

Ein weiterer Aspekt darf nicht unerwähnt bleiben. Es ist gelungen, auch die katholischen Mitchristen, die sich an vielen Veranstaltungen beteiligt haben, partnerschaftlich in das Jubiläum einzubeziehen. Dies ist nicht selbstverständlich, war doch die Reformation, obwohl von Luther so nicht beabsichtigt, Anlass zur Kirchenspaltung. Insofern war es wichtig, dass sich die ACG Bruchsal am 1. April in einem ökumenischen Bußgottesdienst unter dem Motto „Erinnern – versöhnen - aufbrechen“ in der katholischen Kirche von Untergrombach auch mit den dunklen Seiten der Reformation bis hin zu den Religionskriegen auseinandergesetzt hat. Die Tatsache, dass Pfarrer Ritzler von unserer katholischen Nachbargemeinde St. Vinzenz im abschließenden Gottesdienst am 31. 10. ein inhaltlich versöhnliches Grußwort sprach, macht Mut zu weiterer ökumenischer Zusammenarbeit.

 


2. Sonstiges


Was die weitere Berichterstattung über das abgelaufene Kirchenjahr betrifft, darf ich auf den kurzen Bericht zur Gemeindeversammlung verweisen, die am 14.10. unter der bewährten Leitung von Friedrich Weiß und Jürgen Weixler
stattgefunden hat.

Ergänzend zu erläutern wäre noch die jüngste Entscheidung des ÄKs, wonach eine Lautsprecheranlage für den Gemeindesaal angeschafft werden soll. Sie wird verschiedensten Zwecken dienen wie z.B. Gottesdienstübertragungen
für Eltern, die sich mit kleinen Kindern im Gemeindesaal aufhalten, als Mikrofonanlage für Veranstaltungen, für die Konfirmandenarbeit, zur Unterstützung des Brückenfestes etc. Die Kosten liegen bei ca. 1500 EUR. Die Finanzierung erfolgt über das Sonderopfer im November und, da die Anlage vor allem auch für Veranstaltungen des Seniorenkreises nutzbar ist, aus dem Seniorenkonto.

 


3. Danksagung


Der Ältestenkreis dankt all den vielen Helferinnen und Helfern, die sich auch in diesem Jahr wieder für die Gemeinde engagiert haben und damit ganz wesentlich zu unserem lebendigen Gemeindeleben beigetragen haben. Dies gilt nicht nur für diejenigen, die die beschriebenen Aktivitäten und Veranstaltungen des Reformationsjubiläums mitgestaltet haben. Es gilt für die Vorbereitung und Durchführung der erneut gelungenen Gemeindefreizeit, für die Arbeit in den verschiedenen Kinder- und Jugendkreisen, für das Team des Seniorentreffs, unsere Gottesdienstteams, unsere  zahlreichen Musiker, Sänger und Tontechniker, die Männerrunde, den Kindergarten und das Bauteam, das dafür gesorgt hat, dass unsere Küche von Grund auf renoviert wurde.


Last but not least war auch das Brückenfest in diesem Jahr trotz parallel stattgefundener Bruchsaler Veranstaltungen wieder gut besucht, verlief in bester Atmosphäre und erzielte einen Gesamterlös von 2750,- EUR. Auch hier: Herzlichen Dank allen, die mitgearbeitet haben und dabei waren. Hier wird es allerdings eine einschneidende Veränderung geben. Günter Bader hat zum letzten Mal die Gesamtverantwortung für Planung und Durchführung
des Brückenfestes übernommen. Ebenso wird er das Amt als Vorsitzender des Fördervereins niederlegen.
Damit entsteht eine schwer zu füllende Lücke. Günter Bader war mit all seiner Erfahrung, seiner liebenswürdigen Kontaktfreudigkeit und seinem hohen Pflichtbewusstsein in diesen Funktionen ein ganz starker Pfeiler des Gemeindelebens, dem wir viel zu verdanken haben. Sicherlich wird er auch in Zukunft immer wieder einmal mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Es werden aber jetzt andere Gemeindemitglieder gesucht, die als Nachfolger die
Verantwortung übernehmen. Dasselbe gilt für das Team, das bisher bei den Brückenfesten die Tombola organisiert hat.


Abschließend darf ich im Namen des gesamten Ältestenkreises der Gemeinde ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes Jahr 2018 wünschen.

 


Jürgen Dick